Sekten, Bewegungen, Gruppierungen ...

Die Wurzeln von Esoterik und New Age:

Die Gnosis

Je mehr das offizielle Christentum als unbefriedigend oder überholt empfunden wurde, umso mehr versuchte die "Neugnosis", das versteckte und vergessene esoterische Erbe Europas neu zu beleben, es mit Elementen asiatischer Spiritualität anzureichern, das alles (pseudo-) wissenschaftlich zu untermauern und als universal gültig auszuweisen. Die Grundüberzeugungen von New Age und Esoterik wurzeln demnach In der spätantiken Religion der Gnosis. Sie sind deren moderne, wenn auch unterschiedlich qualitätsvolle Spielformen. Zum besseren Verständnis von Esoterik und New Age ist daher eine Auseinandersetzung mit den Anliegen und Ideen der Gnosis besonders wichtig.

1. Gnosis als spätantike Religion

Die Gnosis war eine spätantike Religion im Gebiet des hellanisfischen Kulturraumes. Man traf sie vorrangig in den großstädtischen Zentren, vor allem im Gebiet von Syrien, Mesopotamien, Kleinasien und Ägypten an. In der Gnosis wurden verschiedene Traditionen aus unterschiedlichen Kulturen zu einem neuen System verbunden: z. B. jüdische Apokalyptik, jüdische Weisheit und Mystik, sowie Elemente aus verschiedenen Mythologien. Vor allem die Einheitsvision, eine Idee des Philosophen Platon, gewann großen Einfluß in der Gnosis. Platon spricht in diesem Zusammenhang von der ursprünglichen Einheit der Wirklichkeit, von der darauf folgenden und jetzt noch immer herrschenden Spaltung in Gegensatze (z. B. Mann - Frau; Freier- Sklave; Makrokosmos - Mikrokosmos; die verschiedenen Völker) und schließlich von der Wiedervereinigung. Die Gnosis stand in grundsätzlicher Negation (= Ablehnung) zur konkreten Welt, zu Geschichte und Gesellschaft. Sie betonte die Erlösungsbedürftigkeit der Menschen und bat dafür das passende Rezept: Erlösung liegt in der Erkenntnis, in der Einsicht in das geistig-gottliche Wesen des Menschen und der Wirklichkeit im ganzen.

2. Die neue Gnosis

Unter "Neugnosis" versteht man jene geistigen Strömungen, die einen engen Zusammenhang zwischen dem Gottlichen (göttliche Energie, Kosmos, ...) und dem "Wesenskern" des Menschen behaupten. Letztlich geht es den neugnostischen Gruppierungen darum, daß sich der Mensch mit dem letzten Grund aller Erscheinungen verbunden fühlt oder eins weiß; hier ist jedoch das "wie" entscheidend. Zentrale Bedeutung innerhalb der Neugnosis kommt dem Entwicklungsgedanken zu. In den neugnostischen Bewegungen wird der menschenliebende Schöpfergott durch einen "unpersönlichen Weltprozeß", eine "kosmische Evolution" ersetzt. Demnach entwickelt sich alles, insbesondere die Seele und der Geist des Menschen, zum Höheren, Geistigen, Göttlichen hin. Mensch und Gott sind der kosmischen Evolution des Geistes untergeordnet. Weil ein personaler Gott fehlt, wird in den neugnostischen Strömungen das "Gottliche in uns", "das wahre Selbst" hervorgekehrt. Die Aufgabe der neugnostischen Bewegungen ist es demgemäß, dem Menschen wieder den Weg zur Einheit mit dem Gottlichen zu zeigen und ihn über seine wahre Lage aufzuklären. Bei der Entwicklung des Menschen hin zum Gottlichen genügt es, auf die unbegrenzte Entwicklungsfähigkeit seiner geistigen Kräfte zu vertrauen und diese "göttlichen Kräfte" zu aktivieren. Um die jeweiligen "hoheren Bewußtseinsstufen" zu erreichen bzw. das "eigene wahre und göttliche Selbst" zu finden, braucht der Mensch aber mehrere Geburten (Wiedergeburten) bzw. Helfer, die diese Stufen bereits erreicht haben (Geistwesen, Engel, eine bestimmte Person als Medium, ...).





3. Erlösung:

Unterschied zwischen Christentum und Gnosis Die Parallele zwischen Gnosis und New Age-Bewegung ist deutlich erkennbar: Erlösung geschieht hier nicht durch die Begegnung zwischen Gott und Mensch, sondern durch das "neue Bewußtsein" der Allheit und des Einsseins mit einer göttlichen Energie oder einem harmonischen Kosmos. Dieses neue Bewußtsein soll auf dem Weg der Selbsterfahrung und in unterschiedlichen Meditationsweisen gewonnen werden. Innerhalb des Christentums gibt es eine andere Vorstellung von Erlösung: Anstelle einer Selbstvervollkommnung, einer Selbstvergötterung oder Selbsterlösung durch den Menschen betont die Bibel, daß der Mensch sein endgültiges Heil und seine Vollendung in der vergebenden, liebe-vollen Begegnung mit Gott findet. Die Liebe Gottes, seine liebevolle Zuwendung (= ein Beziehungsgeschehen) ist hier der Rahmen für Reifung, Vergebung und Heilung. Daraus ergibt sich ein weiterer Unterschied: Da innerhalb des gnostischen Denkmodells im Menschen das Göttliche verborgen ist, liegt es am einzelnen, dieses Göttliche zu entfalten. Dazu braucht es jedoch viele Existenzen. Der Mensch muß demnach mehrmals wiedergeboren werden, um sich laufend weiterzuentwickeln, um humaner, vollkommener, vergottlicht zu sein. Demgegenüber betont das Christentum die Einmaligkeit und Einzigartigkeit eines jeden Lebens. Hinter allem, was geworden ist, steht daher keine unpersönliche Kraft (der Evolution), sondern ein Schöpfergott, der seine Schöpfung liebt. Das, was geworden ist, darf sein. Das ist einer der Gründe, warum Christen (gemeinsam mit den Juden) an die Auferweckung von den Toten glauben. Der Schöpfungsglaube und der Auferstehungsglaube werten somit diese Welt, den Menschen und seine Geschichte nicht ab. Sie unterstreichen vielmehr die Einmaligkeit und Bedeutung eines jeden, auch noch so unperfekten, Lebens und bringen die Hoffnung ins Spiel, daß Gott wegen seiner Liebe und Treue die Menschen - gerade im Tod - nicht im Stich läßt, sondern heil-voll ans Ziel bringt.

4. Neugnostisch-esoterische Bewegungen

Gnostisch-esoterische Einflüsse gibt es im alternativen Therapie-, Heilungs- und Managementbereich, bzw. in der "Psycho-Szene" New Age-Szene in unzähligen Varianten Theosophie (unterschiedlichste Ausformungen); Anthroposophie (Rudolf Steiner; Waldorfschulen); Rosenkreuzer (in 0berösterreich insbesondere das Lectorium Rosicrucianum); Neue Akropolis; Gralsbewegung; z. T. Freimaurer Westliche Formen fernöstlicher Religiosität und "zusammengestöpselte" Gebilde: Transzendentale Meditation, Scientology (Dianetik), Vereinigungskirche (Mun), verschiedene Guru-Bewegungen, Spiritistisch-okkultistische Gruppen, wie z. B. das Heimholungswerk Jesu Christi (= Universelles Leben) Bevor einige wichtige neugnostisch-esoterische Gruppierungen vorgestellt werden, soll noch jener Mann genannt sein, der besondere Bedeutung für die neuere gnostisch-esoterisch-okkulte Religiosität hat: Emanuel Swedenborg (1688 - 1772). Mit ihm begann die Geschichte des modernen Okkultismus. Erst seit ihm gibt es das "moderne Jenseits", wo es um Bewußt-seins-zustände geht. Swedenborg hatte 1745 eine "Berufungsvision" bzw. Gottesoffenbarung. Diese Offenbarung bestand laut Swedenborg in nichts anderem, als daß der Herr "mich in die geistige Welt eingelassen und mir gestattet hat, die Himmel und die Höllen zu sehen und auch mit Geistern und Engeln zu reden". Swedenborg spricht vom Kommen eines "neuen christlichen Zeitalters", von einer "Wendezeit". Dementsprechend entfernte er aus der Bibel alles, was dieser Vision einer Wendezeit entgegenstand, insbesondere die Stellen von der Rechtfertigung des Sünders allein durch Gnade.

Die folgenden Kurzinformationen orientieren sich hauptsächlich an den einschlägigen Artikeln im Herder-Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen bzw. an den Wiener Werkmappen "Sekten, religiöse Sondergemeinschaften, Weltanschauungen«.

















a) Die Theosophie
Im 19. Jahrhundert entstanden auf dem Boden des modernen Okkultismus und Spiritismus (Glaube an eine jenseitige Welt, an die Existenz von Geistern und an den Kontakt mit der Geisterwelt) sogenannte "Theosophische Gesellschaften" (= TG). Eine bedeutende Gründungsfigur war die Deutschrussin Helena P. Blavatsky. Nach Blavatsky bedeutet "Theosophie" soviel wie "Weisheit, wie sie Gotter besitzen", wobei Gotter Menschen sind, die sich zu göttlichen Wesen entwickelt haben. Das wichtigste Kennzeichen des theosophischen Denkmodells sind ein radikaler Monismus und eine gnostische Selbsterlösungslehre (Erlösung durch Selbsterkenntnis). Monismus bedeutet in diesem Zusammenhang, daß die Gesamtwirklichkeit, also auch die Materie, aus dem Geist bzw. einer geistigen Welt hervorgeht. Wenn daher alles eins war und wieder eins sein soll, dann muß es auch eine einheitliche Ur-Wurzel aller Religionen geben. Die Theosophie will zu dieser Ur-Wurzel zurück. Eine zentrale Funktion in dieser Weltanschauung hat die "Große weiße Bruderschaft der aufgefahrenen Meisten'. So betonte Blavatsky, ihre Lehre von einem "Kontrollgeist" namens John King bzw. von einem der "aufgefahrenen Meister" empfangen zu haben. Unter den Meistern versteht sie Geister, die einmal als Menschen gelebt haben und nach ihrem Tod auf eine höhere geistige Ebene aufgestiegen sind. Diese Geister treten mit den Menschen in Kontakt und belehren sie über die geistige Wirklichkeit. Einer dieser aufgestiegenen Meister ist Christus. Als Vermittlerin westlich-okkulter und östlich-religlöser Anschauung gehört die Theosophie zu den wichtigsten Vorläuferinnen der New Age-Bewegung. Die größte Gruppe ist die "TG Adyar". Auch im deutschsprachigen Raum gibt es Theosophische Gesellschaften, die jedoch oft nur wenige hundert Mitglieder haben.

b) Die Anthroposophie
Anthroposophie bedeutet soviel wie "Weisheit vom Menschen". Die Anthroposophie ist durch Persönlichkeit und Werk Rudolf Steiners (1861 - 1925) geprägt. Nach anthroposophischer Erkenntnis ist der Mensch aus Geistigem hervorgegangen und kehrt in ferner Zukunft wieder in ein nur geistiges Dasein zurück. Der Mensch braucht dazu aber gewisse Entwicklungsschritte. Insofern lebt er nicht nur zwischen Geburt und Tod, sondern auch zwischen Tod und einer neuen Geburt in einer höheren geistigen Welt. Hier erhält er (nachdem sich im Tod das "lch und der Astralleib" von den übrigen Wesengliedern getrennt haben) von Göttern, Engeln und volikommeneren Menschengeistern Einsicht in seine vergangenen und künftigen Leben. Mit neuen Fähigkeiten des Geistes ausgestattet, kehrt er auf die Erde zurück (Wiedergeburt). Wie die Theosophie kennt auch die Anthroposophie keinen personalen Gott. Rudolf Steiner spricht statt dessen von einem "kosmischen Ich", das mit dem menschlichen Ich wesensgleich ist. Der Mensch ist also selbst Gott oder wenigstens auf dem Weg zu Gott. In Hinblick auf Jesus Christus fällt auf, daß dieser umgedeutet wird: So soll sein Tod die Erde in dem Sinn verwandelt haben, daß ein Wiederaufstieg aus der Materie hin zum Geistigen erneut möglich wurde.

c) Die Rosenkreuzer (in Oberösterreich v. a. das "Lectorium Rosicrucianum")
Im Unterschied zu den theosophischen Strömungen gibt es bei den Rosenkreuzern - ähnlich wie bei Freimaurern - ein System von Einweihungen. Die heute bestehenden Rosenkreuzer-Gemeinschaften sind alle sehr jungen Datums und haben keine direkte Verbindung zu der alten Rosenkreuzer-Tradition. Die ursprünglichen Rosenkreuzer verstanden sich als Reformbewegung innerhalb des Protestantismus. Heute gibt es im wesentlichen drei bis vier größere Gemeinschaften. Eine davon ist das "Lectorium Rosicrucianum" mit Hauptsitz in Holland. Das LectorIum Rosicrucianum nimmt ein sogenanntes "Geistfunken-Atom" oder "Ur-Atom" im Herzen des Menschen an. Dieses Ur-Atom ist ein Funke aus dem "Lebenslichtmeer Gottes". Diesen Geistfunken gilt es zu wecken und wieder zum Leuchten zu bringen. Über fünf Stufen soll eine Transfiguration (= Verwandlung) des Menschen stattfinden. Dazu wird die völlige Aufgabe (!) der bisherigen Persönlichkeit gefordert.















d) Neue Akropolis
Die Neue Akropolis wurde 1957 von dem Argentinier Jorge Angel Livraga (19.30.1991) gegründet. Sie ist in mehr als 40 Staaten verbreitet. Die Neue Akropolis sieht sich als "Schule der Philosophie", die in theosophischer Tradition steht. Sie tritt auch als Kulturverein auf. Als offizielle Ziele werden genannt: vergleichendes Studium von Kunst, Wissenschaft und Religion, Selbsterziehung des einzelnen zu freiem Handeln und Schaffung von humanitären Gruppen. Die eigentlichen Ziele zeigen sich aber im Inhalt, in den Methoden und in der Organisation der Neuen Akropolis. Durch Kapitalismus, Kommunismus und Fortschritt wurde - so die "Schule der Philosophie" - die alte Welt krank. Es braucht daher eine grundlegende Veränderung. Dazu verhelfen ein straffes Führungssystem, harte Arbeit, ganze Hingabe und theosophisch-esoterische Einstellungen. Verschiedene Yoga-Wege zur Meditation und spirituelle Übungen sollen u. a. die geistige Anlage des Menschen fördern. Die grundlegende Veranderung hängt mit dem Wechsel in das ,,Wassermannzeitalter" zusammen. Da die Demokratie als Gefangenschaft des Bürgers gilt, wird eine neue, totalitäre Staatsform angestrebt. Dieser Totalitarismus zeigt sich bereits in der Organisation der Neuen Akropolis: Hier sorgt ein eigener "Sicherheitsdienst" für "Friede und Ordnung".

e) Transzendentale Meditation (= TM)
Als Transzendentale Meditation wird eine durch Maharishi Mahesh Yogi (*1918) aus Indien importierte Meditationstechnik und das damit zusammenhängende Weltbild verstanden. Mittels einer indischen "Mantra-Meditation" (Mantras sind bestimmte Wörter oder Teile davon: z. B. indische Götternamen) sollen verschiedene Ziele erreicht werden: Entspannung und Sammlung, Erhöhung der Kreativität, Erleuchtung. Mit Hilfe der Mantras - so TM - gelangt der Meditierende zum "Ursprung der Gedanken", zur Ebene des kosmischen, des Gottes- und des Einheitsbewußtseins. Man kann mit dieser Technik schließlich die allmächtige Kraft der Natur nach seinem Belieben nutzen. Da die Religionen, auch das Christentum, nicht die entsprechende "praktische Technik" besitzen, können sie nicht mehr zu Gott und zu einem religiösen Leben führen. Demgegenüber empfiehlt sich die TM als spirituelle Praxis, als "mechanischer Weg zur Gottverwirklichung", die auch zur Förderung des Friedens und zur Errichtung einer idealen Gesellschaft beiträgt. Die TM vertritt also ein optimistisches Weltbild und versteht sich als universale Problemiöserin: Wichtig ist hier, daß der Meditierende von der Kraft der Evolution getragen wird und diese wiederum unterstützt. Die Evolution löst demnach für den, der sich ihr überläßt, automatisch alle Probleme. Dieses optimistische Vertrauen auf die Evolution und auf die Macht von "Bewußtseinstechnologie" ist auch ein wichtiges Element der New Age-Bewegung geworden. Das Weltbild der TM ist mit dem Christentum unvereinbar, ihr Meditationsweg für Christen zumindest problematisch. Wegen ihres neu-hinduistischen Hintergrunds ist eine klare und eindeutige Zuordnung der TM zu Esoterik und Gnosis nicht ganz unumstritten.

f) Scientology
"Scientology" ist ein griechisch-lateinischer Mischbegriff und bedeutet soviel wie "Lehre vom Wissen". Diese Bewegung wurde von Lafayette Ronald Hubbard gegründet. Hubbard war unter anderem Sciene-Fiction- Autor. Nach dem zweiten Weltkrieg stößt er auf den Okkultorden "Orientalischer Templer-Orden" (= 0.T.O.) und dessen Rituale. Vieles aus der Science-Fiction und dem O.T.O. floß ein in sein Handbuch ("Dianetik. Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit. Das Handbuch der dianetischen Verfahren"). Unter "Dianetik" wird die "Wissenschaft über den menschlichen Geist" verstanden. Durch dianetische Verfahren will Scientology - über alle Religionen hinaus- "geistige Gesundheit" erreichen. Sie will, wie die gnostischen Erlösungsreligionen, ein Weg zum Heil der unsterblichen Seele sein. Jedes menschliche Wesen ist nach Hubbard eine unsterbliche Geistseele, die den Körper bewohnt. Im Laufe vieler Existenzen hat sich diese Geistseele versklaven lassen und ihren ursprünglichen Zustand vergessen. Der Mensch bzw. seine Geistseele trägt unbewußte Eindrücke, auch aus früheren Leben, mit sich (= Engramme) und wird dadurch eingeschränkt. MitHilfe eines"E-Meters" können diese Störungen aber aufgestöbert und "gelöscht" werden. Wenn alle Engramme gelöscht sind, ist der Mensch "clear" (= klar). Durch weitere Vervollkommnung kann ein noch höherer Zustand erreicht werden, der Zustand des "Operating Thetan" .





Hier wird die völlige seelische Freiheit, die vollkommene Erlösung verheißen. Der Geist ist dann befreit vom ewigen Kreislauf des Geborenwerdens und Sterbens. Insgesamt kann die Mitgliedschaft bei Scientology tiefgreifende negative Auswirkungen persönlicher wie auch finanzieller Art haben. Die letztlich wahnhafte Vorstellung, Menschen und Dinge jederzeit "handhaben" zu können, stören bzw. verunmöglichen eine gesunde menschliche und gesellschaftlichen Entwicklung. Die Techniken und Praxis der "Scientology-Kirche" sind in medizinischer, moralischer und sozialer Hinsicht eine ernste Bedrohung.

g) Guruismus
Einen nicht geringen Anteil an den "Neuen religiösen Bewegungen" haben verschiedenste Ausformungen der neuhinduistischen Mission in der westlichen Welt. Innerhalb dieser Mission spielen religiös-spirituelle Lehrer-, Führer- oder Gründergestalten (= "Gurus") eine wichtige Rolle. Seit dem "Weltparlament der Religionen" 1893 in Chicago rekrutieren diese Gurus Jünger aus dem Bereich der christlichen Kontinente. Drei Gruppierungen bzw. Bewegungen sollen kurz vorgestellt werden:

1. Die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewußtsein (ISKCON)
Die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewußtsein (ISKCON), bekannter als "Hare-Krishna-Sekte", wurde 1966 von Swami Bhaktivedantt Prabhupada (18961977) in New York gegründet. In Tempelgemeinschaften soll durch eine total kontrollierte asketische Lebensweise und die Praxis des ekstatischen Chantens (= Singens) des Höchsten Gottesnamens ("Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna, Hare Hare, Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare") das Krishna-Bewußtsein in liebender Hingabe (bhakti) erlangt und verwirklicht werden. ISKCON galt von Anfang an als eine konfliktträchtige "Jugendreliglon"" mit oft katastrophalen Folgen für die Betroffenen.

2. Raineeshismus - Die Bhagwan-Bewegung des Bhagwan Shree Rajneesh
Um den Dozenten der Philosophie und Psychologie Rajneesh Chandra Mohan (1931-1990) bildete sich ab 1969 in Bombay, dann in Poona und Oregon (USA) ein Kreis von westlichen Jüngern (sannyasins), die ihn als "Bhagwan", später als "Osho" (beides Titel der Erhabenheit und Göttlichkeit) religlos verehrten. Mit einem überreichen, synkretistischen (= zusammenmischenden) Angebot an esoterisch-magischen Lehren und Praktiken, an Therapie- und Meditationsformen aus West und Ost kommt er der Sehnsucht und dem Hunger nach Erlebnis, Ekstase, Selbsterfahrung und Selbstverwirklichung in extrem individualistischem Ausmaß entgegen. Auch nach dem Tod Rajneeshs wirken seine Impulse unvermindert weiter bis hinein in den neu geöffneten Osten Europas.

3. Der Pfad der Meister- Sant Mat (= die "Lehre der Heiligen")
Der Pfad der Meister geht zurück auf den Mystiker Shiv Dayal Singh (gestorben 1878). Er verkündete "Radhasoami" (= Herr der Seele) als Namen des höchsten Gottes und eröffnete die Yoga-Praxis des "Surat Shabd" (Klang- und Lichtstroms) als "Pfad der Meister", als Heilsweg aus dem gegenwärtigen schlechten Zeitalter. Von überragender, ja heilsnotwendiger Bedeutung ist der jeweils "Lebende Meisten', der "Volikommene Meister des Zeitalters" als Zentrum der Anhängerschaft. Naturgemäß ist die Nachfolgefrage nach dem Tod eines solchen Meisters ein großes Problem, Spaltungen sind vorprogrammiert. So entstanden z. B. nach dem Tode eines Meisters eine Reihe konkurrierender Nachfolgegurus und -Organisationen (die Lichtheim-Kindergärten, die Holosophische Gesellschaft und das "Forum für universale Religion"). Allen diesen Gruppierungen ist der Anspruch gemeinsam, die Einheit aller Religlonen darzustellen und diese dadurch praktisch abzulösen.

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