Vermeide die Lehren der Grübler, deren Theorien nicht durch die Erfahrung bestätigt werden.
Leonardo da Vinci
1. Hochschullehrer haben die sittliche Verpflichtung, ihren Schülern klare Bilder von dieser Welt zu
vermitteln, in der sie sich zurechtfinden müssen.
2. Das vorliegende Buch ist ein Protest und eine Anklage, gerichtet gegen die Tätigkeit der
Parapsychologen und Paramediziner, die mit Unterstützung einer bestimmten Presse nunmehr
jahrelang ungestraft die Öffentlichkeit gründlichst fehlinformiert haben.
3. Daß viele Wissenschaftler zu den in diesem Buch angeschnittenen Dingen schweigen, verrät
entweder Überbeschäftigung mit ihrem Fachgebiet, Gleichgültigkeit oder Uninformiertheit und
Fehlen an Argumenten, die in der Tat im Schrifttum weit verstreut liegen und aufgefunden
werden müssen.
4. Nachsicht und Langmut haben aus Gründen der Psychohygiene ihre Grenzen.

Diese sehr lapidar und manchen Lesern zu einfach klingenden Feststellungen kommen natürlich
nicht aus «heiterem Himmel», sondern sind das Ergebnis einer jahrzehntelangen Befassung mit der
Materie, zahlreicher Diskussionen und aus Erfahrungen, die wir im Gerichtssaal sammelten. Die
okkulten Argumente erweisen sich für den Erfahrenen als immer die gleichen. Vor dem ersten
Weltkrieg machten die denkenden Pferde von Elberfeld viel von sich reden. Sie konnten Zahlen von
einer Tafel ablesen, auch wenn sie nicht in Ziffern, sondern phonetisch geschrieben waren, und
damit Rechenoperationen durchführen, die mündlich oder schriftlich gegeben waren. Sie konnten
auch durch Klopfen Namen nennen und die Uhrzeit ansagen, ja sie konnten Wurzeln ziehen und
zwar Quadratwurzeln, Kubikwurzeln und Vierte Wurzeln. Unter den rechnenden Pferden war sogar
ein angeblich blindes Pferd! Die Behandlung des gesamten Stoffes erinnert an die Art, mit der die
moderne Parapsychologie ihre Fälle bearbeitet. Und viele Gelehrte von hohem Rang beeilten sich,
die Phänomenologie zu bestätigen. Unter ihnen waren Professoren, Doktoren und auch Pfarrer. Man
stelle sich vor, solche Gelehrte würden als «Sachverständige» vor Gericht auftreten und sich - wie
bei den denkenden Pferden geschehen - zu Protestresolutionen zusammenschließen, wenn ein
seriöser Experte ganz einfach einen Dressurtrick annimmt. So war es in der Tat im Fall der
denkenden Pferde, wo herauskam, daß die «Zählvorgänge» bei den Pferden ganz einfach durch
Rucken an den Zügeln vom Pferdepfleger gesteuert waren usw. Welche Pseudogelehrtheit haben
diese Pferde ausgelöst, ja sogar - wie in der Parapsychologie - statistische Auswertungen. Man mag
sich über derlei Schnurren amüsieren und schließlich achselzuckend resignieren, weil eben
«der Blödsinn ewig blüht» und es noch keinem gelang, dem Stultus, der den Sapiens belehren
möchte, seinerseits etwas beizubringen. Der Spaß hört jedoch auf, wenn man das Ende sieht,
nämlich die schweren Schäden nicht nur finanzieller, sondern vor allem körperlicher und seelischer
Art, die der Okkultismus in unserer Bevölkerung tagtäglich anrichtet. Es bleibt ja nicht bei
harmlosen Schrullen, wie die, daß jemand auf den Sonntagsschweinebraten verzichtet, nur weil er
fürchtet, es könne die verstorbene Großmutter darinstecken. Das Übel hat ganz andere
Dimensionen. Elend, Krankheit und vorzeitiger Tod von Hunderttausenden durch gewissenlose
Okkultverbrecher, das sind die Wahren Folgen des ungeistigen Schwärmertums, das nun von
verantwortungslosen Multiplikatoren bereits wieder zur Volksseuche großgezogen worden ist. Im
Angesicht der Gefahr für die Volksgesundheit erachten wir uns als Verpflichtet, zur Trockenlegung
des Sumpfes beizutragen.

Einführung
Wir haben an anderer Stelle nicht nur einmal demonstriert, daß sehr viele Menschen einen Hang zu
Mystik und Parawissenschaften zeigen. Die Flut an Literatur beweist das. Auch ist es absolut
unbestritten, daß sich immer mehr Menschen die Frage vorlegen, welchen Sinn ihr Dasein
eigentlich hat. Da diese Frage naturwissenschaftlich oder überhaupt wissenschaftlich nicht geklärt
werden kann, sucht ein Teil der Menschen Schutz bei dem, der mehr verspricht - so ein Weiterleben
nach dem Tode in besseren Umständen.

Noch mehr - getrieben vom Untergrund der genetischen Konstitution und hineingestellt in die
Umwelt, fühlen sich wohl alle diejenigen, bei denen ein Gefühl für Schuld und Sühne ausgebildet
ist, früher oder später unverstanden, durch andere überrundet und zurückgesetzt und verlangen nach
Anerkennung und Belohnung. Glaubensgemeinschaften versprechen das und doch: Durch das von
diesen angelegte enge Korsett überlieferter Moralvorstellungen wirken sie triebbehindernd: Du
sollst nicht, Du darfst nicht, Du mußt, Du darfst nicht begehren! Gleich dem Programm politischer
Parteien wird der Weg in die Zukunft vorgezeichnet, in die nächste Generation und zum Himmel
oder zur Hölle. In der Gemeinschaft werden Regeln vorgegeben, die den Menschen von Geburt an
bis zu seinem Ende begleiten, und naturgemäß von der Gesellschaftsordnung beeinflußt steht ihm
der Nächste bei - oder er tut es nicht! Denn der eine ist mehr gemeinschaftsfähig als der andere. Und
wieviele denken vorrangig nur an sich. Je größer aber die Populationen werden, desto strenger
werden die Regeln, die ein erträgliches Zusammenleben ermöglichen. Die Exposition des Einzelnen
auch gegenüber Partnern wird immer prekärer. Und was soll alles, wenn morgen schon das Ende
kommt. Zur konsequenten Behandlung dieser Fragen kommen die meisten wohl nicht und schieben
die Antwort hinaus von heute auf morgen und von morgen auf übermorgen. Doch es gibt da
Überbrückungshilfen: Alkohol, Nikotin, Alkaloide und Psychodrogen, «Sonnenbrillen für die
Psyche» alle mit aufschiebender Wirkung, und es gibt noch die Parawissenschaften, die auf
einfache Fragen auch mit einfachen Antworten bereitstehen:
* Du brauchst Dir keine Sorgen machen, das hat keinen Sinn, denn alles ist in den Sternen
vorgezeichnet! (Astrologie)
* Daß Dein Vater an Krebs starb, ist klar, denn er lag auf einer Wasserader und die Strahlen sind zu
beseitigen. (Radiästhesie)
* Die Krankheit ist leicht heilbar, denn die Natur selbst findet die Mittel. (Homöopathie)
* Die Krankheit ist sicher am Auge zu diagnostizieren, also ist Sorge nicht am Platz.
(Augendiagnose)
* Ein anderer Mensch ist stets mit Dir verbunden, wenn Du in einer Notsituation bist, und errät
Deine Gedanken. (Telepathie)
* Wenn wir Erdöl für unsere Kraftfahrzeuge brauchen, so können wir es finden und die Tiefe seiner
Lage und seine Mächtigkeit erschließen. (Wünschelrute )
* Bei Schmerzen solltest Du keine Sorge haben und Dich nicht fürchten, denn ein einziger
Nadelstich genügt, um sie zu beseitigen. (Akupunktur)
* Wenn Du älter bist und willst wieder jung sein, so können das Frischzellen besorgen oder
«spezifische Nervennahrung». (Zelltherapie)
* Das Leid, das Dich ergriffen hat, als die Mutter starb ) ist nicht so groß, denn sie wird sich
erfahrungsgemäß bei Dir melden und Dir über ein Medium Auskunft geben. (Parapsychologie)

All das Aufgezählte hat für den naturwissenschaftlich geschulten Betrachter folgende
Charakteristiken:
1. Bei den Vertretern all dieser Behauptungen gibt es Rückfrageverbot, denn die Grundzüge seien
der Menschheit schon seit Hunderten oder gar Tausenden von Jahren bekannt, also stehe ein
Ableugnen dem Wissenschaftler schlecht an.
2. Auch wenn die Behauptungen absurd sind, so werden sie doch von einigen ehrenwerten
Menschen, darunter auch Wissenschaftlern hohen Grades, wenn auch nicht mit logischen
Argumenten, so doch gemütsmäßig vertreten («Man sollte sich um diese Dinge kümmern»).
3. Diejenigen, die ablehnen, sind unverbesserliche Rationalisten, die vom «grünen Tisch» aus das
verwerfen, «was ihnen nicht in den Kram» paßt. Denn «Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel
und Erde. . . » .
4. Noch mehr: die, die kritisieren, «haben einen Auftrag», «gehören einer politisch anderen Partei
an», «sind vorgeschickt». « Politisch Ding - - - schlechtes Ding.»
5. Da alle Parawissenschaften und darunter auch die Parapsychologie früher oder später oder gar
stets von den Vertretern der Naturwissenschaften herausgefordert werden, verbünden sie sich
gegenseitig und entleihen wechselseitig Argumente.

6. In allen Streitfällen beteiligen sich auch Geistesschwache und manche Vertreter der Presse, da
Halbbildung meist völlig ausreicht, um hier mit einigen allgemeinen Schlagworten mitzureden.
7. Massenpsychologisch sind die Okkultisten und Parawissenschaftler stets im Vorteil, weil
suggestive Behauptungen Wesentlich wirksamer sind als Beweisführungen (Le Bon), weil
sensationelle Behauptungen höheren Auffälligkeitswert besitzen und dann selbst fehlerhafte
Einzelbeobachtungen, überzeugend vorgetragen, höherrangig und vorrangiger akzeptiert Werden,
als mühsame Widerlegungen oder Überprüfungen «eiskalter» Wissenschaftler. Diesen Eiskalten
aber Werden «große Gelehrte» vorgehalten.
Es wird in diesem Zusammenhang z. B. der große GOETHE gerne zitiert, der sich bekanntlich nicht
nur einmal, sondern vielfach und tüchtig geirrt hat (Farbenlehre), aber stets als Garant der
Parawissenschaftler ebenso herhalten muß wie bei Festansprachen in akademischen Gremien, und
was würde sich hier besser eignen als der «Faust».

«Daran erkenn´ ich den gelehrten Herrn :
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar.
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.»
8. Unerklärliches läßt sich wissenschaftlich mitunter so raffiniert aufmachen, daß man erst durch
längeres Nachdenken hinter den Trick kommt. So gibt es eine Reihe von mathematischen
Ansätzen, mit denen man «beweisen kann», daß eins gleich zwei ist oder in der Planimetrie 63
gleich 64 gleich 65 ist oder zwei gleich unendlich (vgl. LIETZMANN) .
9. Hochschullehrer finden es mitunter unter ihrer Würde, sich mit der Materie überhaupt zu
befassen, und halten es als Zeichen des «freien Wettbewerbes» oder «freien Spiels der Kräfte»
oder gar als «Zeichen der Demokratie und der freiheitlichen Gesellschaftsordnung», wenn auch
«die anderen zu Wort kommen». Und so, meinen sie, werde das Leben bunt und
abwechslungsreich.
10. Das alte Sprichwort «Trau - schau wem» und das Dahinterleuchten hinter die materiellen
Interessen, die Infamie, die betrügerischen Machenschaften, wird als unvornehm angesehen, und
es werden folgende Epitheta angehängt:
* Die Geologen sind ja nur neidisch, daß wir mit der Wünschelrute auch Wasser finden!
* Die Hochschulmediziner neiden uns den Homöopathen ja nur die große Beliebtheit in der
Öffentlichkeit!
* Sie hassen uns ja nur, weil wir mehr Geld verdienen und bedrohen uns deshalb mit dem Kadi!
* Und unsere diagnostischen Erfolge sind ja besser, was dadurch bestätigt wird, daß alle von der
Wissenschaft Enttäuschten zu uns kommen.
* Hätte man einem Wissenschaftler vor 200 Jahren gesagt, daß wir einmal Eisenblöcke mit
Gammastrahlen durchleuchten können, so hätten sie uns ausgelacht. Und sie hätten uns
ausgelacht, wenn wir ihnen gesagt hätten, daß wir die Stimmen von Menschen aufzeichnen
können oder Apparate nach der wissenschaftlichen Prosperität eines Großunternehmens
befragen können usw. So sind die, die nur stets leugnen, die «ewig Gestrigen», die dem
Fortschritt der Menschheit aus Hochmut und Selbstdünkelei ständig Hindernisse auftürmen.
Dabei sei der Mensch das «feinste Registrierinstrument», das auch voraussehen könne.

So können wir fortsetzen - und nach jahrelanger Befassung mit der Materie der Parawissenschaften
tritt schließlich eine Sättigung ein, die manchen Naturwissenschaftler davon überzeugt, daß es
letztlich keinen Sinn habe, sich auf diesem Gebiet anzulegen. So kommt es dann zu unserer
heutigen Situation, die uns veranlaßt, dieses kleine Buch zu schreiben.







Homöopathie

Was krank macht, so etwas oder etwas Ähnliches heilt auch So könnte eine allgemein verständliche
Erklärung der «Homöopathie» aussehen. Also etwa gegen Arsenikvergiftung nochmals Arsenik ?
Natürlich nur in starker Verdünnung, wird der «homöopathische Arzt» beruhigend erklären, z.B. in
zweiundzwanzigfacher Dezimalpotenz. Ob hohe oder niedere Potenzen, diese «Mittel» haben keine
spezifische Wirkungen, sondern regen allenfalls «eingebildete Kranke» an, sich - vorübergehend -
etwas besser zu fühlen. Freilich, sobald sie wüßten, daß nach Adam Riese bei dieser Art
«Medikament» eigentlich 1 Tropfen der Arzneisubstanz u. U. auf den gesamten Inhalt des
Weltmeeres kommen müßte, wäre es mit der Glaubenssuggestion vorbei. Aber selbst wenn sie
glaubten und die homöopathischen Pülverchen weiter nähmen, würde organisches Leiden wie z. B.
Krebs fortwuchern. Deshalb heißt es im medizinischen Wörterbuch neuesten Standes. «Die
Anwendung homöopathischer Mittel durch Ärzte ist Scharlatanerie». Das alles wäre langst
Medizingeschichte, wenn nicht unentwegte Unwissende immer wieder dieser wissenschaftlich
unbegründeten «Heilmethode» das Wort redeten. Hier aufzuklären erscheint nicht zuletzt auch im
Hinblick auf die einschneidenden Rechtsfolgen geboten, die den «homöopathischen» Paramediziner
beim Scheitern seiner «Behandlung» treffen können.

Als die Homöopathie in erste Schwierigkeiten kam (sie war es von Anfang an), ist vor allem damit
argumentiert worden, daß Feldmarschall Radetzky ihr Anhänger und Verfechter war
(PROKOP/ PROKOP) . Die inzwischen für die Homöopathie bemühten Prominenten sind Legion.
Eine Kostprobe: Die englische Königsfamilie läßt sich in der vierten Generation homöopathisch
behandeln, wobei der davon unabhängige Umstand, daß die Königin in 30-jähriger Regentschaft
angeblich nur 14 Tage krank war, leicht kausal damit verknüpft werden darf. Der weise Mahatma
Ghandi nannte die Homöopathie gar die vollkommenste medizinische Wissenschaft. Auch der
Boxerrüde von Frau Dr. CARSTENS, der Gattin des früheren Bundespräsidenten der
Bundesrepublik Deutschland, hat schon homöopathische Tropfen geschluckt, nachdem «kein
geringerer als Virchow die Richtigkeit der Überlegungen» anerkannte. Und nach der Entscheidung
des baden-württembergischen Landeswirtschaftsministeriums dürfen jetzt homöopathische
Präparate auch den sterbenden Wald «heilen». 4400 Hektar Waldboden sollen bereits entsprechend
gedüngt worden sein. Allein die Betrachtung der Arzneimittel lehrt schon, daß wir es hier mit etwas Absonderlichem zu tun haben. HAHNEMANN, der Schöpfer der Homöopathie, prüfte zusammen
mit seinen zeitgenössischen Schülern und Anhängern über 1000 verschiedene Mittel (G RAUL und
LIPPROSS 1982)- ganz einfach - alles was man bekommen konnte und verdächtig war, irgendwie
zu wirken. Und er prüfte die « Mittel» an Gesunden. Daß darunter auch Magnete waren, die er mit
dem Südpol oder Nordpol auf die Gesunden «einwirken» ließ und auch dadurch mehrere hundert
Symptome bekam, wird heute von den Homöopathen schamhaft verschwiegen. Die Symptome
werden einfach so behandelt, als existierten sie nicht - sondern nur die anderen. Doch welcher Art
sind dann die «wirksamen» Mittel ? In der Propaganda der homöopathischen Ärzte und noch mehr
mancher Firmen sind es « Naturheilmittel», da die Homöopathie von ihren Anhängern zur
«Naturheilkunde» gezählt wird, die wiederum (und auch das ist bei Laien wirksam) der
«Ganzheitsmedizin» huldig, nämlich statt «mit Stahl und Strahl» zu heilen, «Leib und Seele» des
Patienten berücksichtigt. Die Lehrbücher der Homöopathie, insbesondere aber ein homöopathisches
Arzneibuch belehren uns. Wir zählen einige der Leib- Seele - Mittel auf:

Absinthium - Wermut
Acer Negundo - Ahorn ( Rinde)
Acidum aceticum - Essig
Acidum carbolicum - Karbolsäure
Acidum chromicum - Chromsäure
Acidum hydrocyanicum - Blausäure
Acidum hydrochloricum - Salzsäure
Acidum nitricum - Salpetersäure
Acidum sulfuricum - Schwefelsäure
Allium sativum - Knoblauch
Aluminium - metallisches Aluminium
Ammonium muriaticum - Ammoniumchlorid
Apis mellifica - Honigbiene
Aranea Diadema - Kreuzspinne
Arsenicum album - Weißes Arsenik
Asparagus officinalis Spargel

Wie der Leser sieht, haben wir nur ein wenig unter dem Buchstaben A geblättert. Nun werden
einige sagen, daß von den genannten homöopathischen «Heilmitteln» schon einige aufgegeben
wurden. Das verwundert uns aber sehr, denn deren Wirksamkeit wurde in gleicher Weise geprüft
wie die der anderen, die man belassen hat. Das heißt mit anderen Worten, daß auf einige Hundert
«Arzneibilder» verzichtet wurde. Die Patienten müssen somit einige der wertvollen Naturheilmittel
entbehren! Doch das Studium ergibt, daß von Natur. keine Rede ist, denn im homöopathischen
Arzneibuch aus dem Verlag Dr. Willmar Schwabe ( 19 50) steht verzeichnet, woher die dann
homöopathisch verdünnten und «dynamisierten» Mittel gewonnen werden: nicht alle aus der
«Natur», sondern (expressis verbis) aus chemischen Fabriken, ja auch aus der Gasanstalt! Würden
wir weiter im Arzneibuch blättern, würden uns manche Banalitäten begegnen, so z. B. Kochsalz,
das homöopathisch zu verdünnen ist! Doch wie wird das Mittel bereitet ? 1 Gewichtsteil Kochsalz
wird in 8 Gewichtsteilen Wasser und einem Gewichtsteil 90 % igem in Weingeist gelöst. Die
höheren Verdünnungen werden dann mit 45 % igem Weingeist bereitet (die Verdünnung jeweils
zehnmal schütteln!). Eine homöopathische Verdünnung wäre dann als Natrium chloratum D 6 eine
Kochsa1zlösung (angeb1ich durch das Schütteln besonders «potenziert», d. h. gekräftigt. Es ist nicht
einzusehen, daß «dynamisiert») 1 : 1000000. diese Bereitung ein Heilmittel sein soll, dagegen eine
gesalzene Rindsuppe oder ein Salzhering ohne Bedeutung. Um den Leser gleich mit den «Größen»-
Ordnungen vertraut zu machen, mit denen «hochpotenzlerische» homöopathische Behandler täglich
zu rechnen gezwungen sind, wollen wir einmal anschaulich werden lassen, was homöopathische
«Potenzierungen» in Wahrheit bedeuten. Nach einem hübschen Vergleich von SELLIER sind,
um 1 g Kochsa1z in den folgenden Potenzen zu verdünnen, erforderlich:

D 4 1 Eimer Wasser
D 6 1 Tank- Lastzug- Füllung
D 8 der Inhalt eines mittleren Dorfteiches
D 12 der Inhalt des Bodensees
D 22 der Inhalt des Weltmeers
D 27 die Masse der Erde
D 34 die Masse der Sonne
D 50 die Masse des Weltraums.

Höhere Potenzen sind für den menschlichen Geist unfaßbar! Schon ab D 23 aufwärts ist im
Lösungsmittel kein Moleküh1 der Arzneimittelsubstanz mehr enthalten (sog. Loschmidtsche Zahl).
An dieser Stelle fragen wir mit HOPFF die Apotheker, wie sie wohl ihre «homöopathischen»
Arzneitiegel reinigen ? Wie bloß entfernen sie das hochpotenzierte « Medikament» wieder aus dem
Gefäß, da es sich inzwischen doch buchstäblich «dematerialisiert» hat ? Nun, für Kriminalisten sind
Verordnung und Anpreisung derartiger« Medikamente» Musterbeispiele zumindest objektiven
«Schwindels in der Medizin» (WIMMER). Der Bundesgerichtshof Karlsruhe bezeichnet solche
«Potenzen» ab D 23 als «jenseits irgendeiner Wirkungsmöglichkeit liegende Verdünnung» und
verurteilt bei Vor1iegen der subjektiven Voraussetzungen gegebenenfalls wegen fahrlässiger Tötung
des Patienten! (s. BGH, Urt. v. 30. 9. 1955 - 2StR 206155). Angesichts all dessen hat einer von uns
(o. PROKOP) zusammen mit L. PROKOP 1957 ein Buch mit dem Titel «Homöopathie und
Wissenschaft» herausgegeben, in dem der Homöopathie der wissenschaftliche Prozeß gemacht
worden ist. Die Anklage lautete auf grobe Mißachtung der Naturwissenschaften. Tatsächlich könnte
man das Kapitel hier schon abbrechen, da seit der damaligen Zeit in der Homöopathie nichts aber
auch gar nichts hinzukam, was eine eventuelle Teilrevision der Meinung, die damals vertreten wurde, rechtfertigen würde. Wenn es gültig wäre, daß die Homöopathie ja auch gar keine
Wissenschaft sein will, brauchten wir nicht zu diskutieren, doch sie gebärdet sich so, auch wenn
darüber («Wissenschaft oder nicht») in den eigenen Reihen keine Einigkeit besteht. So erklären drei
Vertreter dieser Heildisziplin zu ihrem Fach ganz unterschiedlich den Wissenschaftsgehalt der
Homöopathie:





SCHOELER, H. (2. Vorsitzender des Homöop. Zentralvereins) ( 1960) :
« Die Homöopathie ist die Lehre von den im menschlichen Organismus durch pflanzliche,
tierische und chemische Substanzen hervorgerufenen Veränderungen. In diesem Sinne ist die
Homöopathie ein naturwissenschaftliches Fach, nicht nur Empirie und Ordnung von Meinungen.»
DEVRIENT, W. (1958):
« Wir wollen aber die Verfasser beruhigen : die Homöopathie ist keine exakte Wissenschaft und
soll und kann es gar nicht sein.»
KABISCH, M. (1960):
«Dem Ungläubigen sei noch der Weg empfohlen, an sich selbst mehrere Arzneimittelprüfungen
durchzuführen. Er wird dann überrascht sein und, keine «Charlatanerie», sondern eine exakte
feststellen, daß die Homöopathie Wissenschaft ist, die allerdings mühsam erarbeitet werden muß.»

Daß SCHOELERS und KABISCHS These aber falsch ist, ist offenkundig und wird im folgenden
auch bewiesen werden. Weil die Autoren PROKOP das seinerzeit in ihrem Buch, das die
Homöopathie als absolut unwissenschaftlich gekennzeichnet hat, belegt und ganz deutlich ohne
Umschweife gesagt haben, dafür haben sie eine Flut von Verleumdungen selbst politischer Art
hinnehmen müssen - wohl ein Beweis dafür daß sie eine Glaubenssphäre (noch besser. Sektierer)
getroffen haben. Daß sich die Universitäten von der Homöopathie getrennt haben, ist bekannt und
aus einer Fakultätserklärung ersichtlich :
«Die Medizinische Fakultät der Humboldt- Universität zu Berlin gibt folgende Erklärung ab.
Auf Grund der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist die Homöopathie weder klinisch noch
prophylaktisch in der Behandlung von schweren, insbesondere Organerkrankungen anwendbar.
Berlin, Oktober 1958.»
Daß es zu einer solchen Stellungnahme gerade in Berlin kommen konnte, ist schon bemerkenswert,
denn gerade die Berliner Medizinische Fakultät war es, die auf Betreiben von August BIER einen
Lehrstuhl für Homöopathie errichtet hatte. Hier las der Homöopath BASTANIER in den Dreißiger
Jahren Homöopathie. Doch die Homöopathie leistete nichts, so daß der Lehrstuhl wieder
aufgegeben wurde. Unter dem Druck, sich «endlich» wieder zur «modernen» Homöopathie zu
äußern, kamen dann 1957/58 erneute Beratungen, die in der kurzen Erklärung ausmündeten. Diese
Erklärung mag «anonym» erscheinen, doch der damaligen Medizinischen Fakultät gehörten so
glänzende Persönlichkeiten wie Theodor BRUGSCH (Innere Medizin), Hartmut DOST
(Kinderheilkunde), Willi FELIX (Chirurgie), Helmut KRAATZ (Gynäkologie), S. M. RAPOPORT
(Physiologische Chemie) und Anton WALDEYER (Anatomie) an, um nur einige zu nennen.
Gegenstand der vorhergehenden Verhandlungen war im wesentlichen der Punkt, ob man nicht
«ohne jeden Wert» sagen solle. Man tat es nicht, weil der Homöopathie wie jeder
Außenseitermethode, die mit Scheinmitteln arbeitet, ein psychotherapeutischer Gehalt innewohnt.
Wegen der durch die «Arzneimittelprüfung am Gesunden» scheinbaren «Genauigkeit»,
welche viele Ärzte und noch mehr Laien faszinierte, wie Napoleon oder den Feldmarschall
Radetzky oder gar berühmte Ärzte wie HUFE LAND und BIER, hat sich die Homoopathie, die
HAHNEMANN ganz offensichtlich aus BROWNSCHEN Lehren entwickelte, über die Welt
ausgebreitet. Daß sie die Fachwelt nur vorübergehend überzeugen konnte, beweisen die
medizinischen Handbücher des vorigen Jahrhunderts geradezu signifikant.

Da nach homöopathischer Glaubenslehre die Homöopathie mit einer ihrer Hauptthesen, wonach die
Arzneimittel an gesunden Menschen geprüft werden müssen, steht und fällt, sind solche Prüfungen
auch tatsächlich auch in größerem Umfang durchgeführt worden. Die Homöopathen gehen ja von
der Vorstellung aus, daß die Symptome, die ein Mittel am Gesunden hervorruft, dann auch - findet
man sie bei einem Kranken - mit diesem Mittel behandelt werden können. Bekanntlich sind aber die
Prüfungen des Internisten Prof. Dr. Paul MARTINI für die Homöopathie negativ ausgefallen, doch
das soll hier nicht so sehr interessieren wie die Aufzeichnungen des früheren Arztes Dr. Fritz
DONNER, welche über die Überprüfung der Homöopathie durch das damalige
Reichsgesundheitsministerium 1936 bis 1939 berichten.



Weil der Bericht, der wohl auch den bekanntlich abergläubischen Rudolf Hess einschließt, frei
von der Ideologie der damaligen Zeit ist, darf man ihn ohne Not bekannt geben. Er ist deshalb
besonders verdienstvoll, weil sich der Autor - der mit den Theorien der Homöopathie bestens
vertraut ist - nach einem Leben mit oder für die Homöopathie - schließlich von dieser Sekte
abgewandt hat. Man hat ihm, dem späteren Direktor einer inneren Abteilung eines großen Berliner
Krankenhauses bescheinigt, daß er ein phänomenales Gedächtnis habe. Wir haben aus seinem
Bericht bereits bestimmte Passagen an anderer Stelle veröffentlicht (PROKOP 1977).

1. Das Simile- Prinzip

Es ist eine Hauptthese der Homöopathie: «Ein Mittel, das bei einem Gesunden ein bestimmtes
Symptom erzeugt, vermag dieses Symptom bei einem Kranken auch zu heilen.» Doch kann die
Arzneimittelfindung durch Prüfung am Gesunden nur als Torheit angesehen werden. Es gibt heute
genügend Beispiele für zahllose Arzneimittel, darunter Psychodrogen und Halluzinogene, deren
Wirkung pharmakologisch hinreichend bekannt ist. Greifen wir eines heraus, das
Neuropsychopharmakon « Amphetamin», das heute als Dopingmittel vielfach verwendet wird und
je nach Dosis auch als Appetitzügler Anwendung findet und in höherer Dosierung zu hochgradiger
Erregung und zu Halluzinationen führen kann. Die therapeutische Anwendung betrifft u. a. auch die
Narilepsie. Doch niemals ist darüber etwas bekannt geworden, daß dasselbe Mittel, von dem es eine
Reihe von Präparaten verschiedener Substitution gibt, in irgendeiner Dosierung am Gesunden
Narkolepsie oder eine «ähnliche Erkrankung», oder Appetit auslöst. Der Einwand, HAHNEMANN,
der Entdecker der Homöopathie, habe ja solche «künstliche Mittel» nicht gekannt und sie würden
deshalb aber nicht im homöopathischen Arzneischatz berücksichtigt - ist nicht stichhaltig, denn
wenn man auch pflanzliche Drogen in der Homöopathie verwendet, deren chemische Inhaltsstoffe
wesentlich komplizierter sind als das Amphetamin - so muß sich der Homöopath, der Allgemeinregeln ausgibt, der Konfrontation stellen. Wenn sich auch RITTER in seiner
«Homöopathischen Propädeutik» 1972 von der Simileregel, die er selbst als Hauptpunkt bezeichnet,
geschickt distanziert, so darf er nicht vergessen, daß alle klassischen homöopathischen Mittel dieser
falschen These ihre «Entdeckung» für den Arzneischatz der Homöopathie verdankten. Konsequenz
und Devise für die Homöopathen ist dann: Die Mittel sind nun einmal da - seht zu, wo sie
anzuwenden sind, was falsch wurde und richtig bleibt! Aber was sollen wir z. B. mit den Hunderten
von Symptomen anfangen, die angeblich beim Gesunden durch kleinste Mengen Kochsalz
«erzeugt» wurden ? Sie sind ausschließlich psychologisch zustandegekommen. Eng mit der Simile-
Rege1 verbunden ist also der zweite Hauptsatz der Homöopathie, das ist die AMP
(Arzneimittelprüfung am Gesunden).

Tab. 6: Sinnlosigkeit der Ähnlichkeitsregel an nur einem Beispiel:

These: Man gebe ein Mittel, das am Gesunden eine ähnliche Krankheit oder ähnliche
Krankheitssymptome auslösen würde, dann, wenn eine solche Krankheit vorliegt.
Krankheit: Haemolytische Anaemie mit massivem Blutzerfall und Gelbsucht, spondogener
Milztumor
«Simile»: Haemolytische Anaemie mit Blutzerfall, auch zu erzeugen durch Wasserinfusion,
Schlangengift, fehlerhafte Blutübertragung z. B. A auf 0, Arsen, Übertragung tierischen Blutes
Folgerung aus homöopathischer Sicht: Wäre dann bei haemolytischer Anaemie mit
Schlangengiften oder Arsenik oder kleinen Blutmengen einer falschen Gruppe oder Tierblut zu
behandeln oder gar mit Wasser ?
Tatsächliche Therapie : Erst nach Abklärung der Genese (kausales Denken!)
a) Heredität: z. B. Thalassaemia major vel minor ? (Wenigstens 10 Formen). Sichelzellanaemie ?
Andere abnorme Haemogiobine ? Membrananomalien?
b) Infektbedingte Haemolysen: z. B. Virusinfektionen ?





c) Durch chemische Agentien bedingte haemolytische Krise ? z. B. Methaemoglobin- Bildner mit
Blutzerfall, z. B. Anilinderivate
entweder: Substitutionsbehandlung oder Absetzen von Noxen oder Milzexstirpation
Literatur: Alle ausführlichen Lehrbücher der Inneren Medizin, der Haematologie und der
Transfusionslehre

2. Arzneimittelprüfung am Gesunden

Auch diese homöopathische Forderung zählt nach RITTER zu den wichtigsten Säulen der
Homöopathie und wie recht er tut. er rückt auch hier vorsichtig von diesem Prinzip ab, was die
Frage aufwirft, was dann wohl überhaupt noch an homöopathischem Gedankengut in der
Homöopathie übrigbleibt. Die AMP kann als in hohem Maß unsinnig bezeichnet werden, und es ist
für einen modernen Arzt fast schon unwürdig, darauf einzugehen, weil ihr inzwischen längst
überholte vitalistische Betrachtungen des vorigen Jahrhunderts zugrunde liegen. Der Gedanke:
Jemand hat Kopfschmerz. Die Natur zeigt an, daß sie mit einem Prozeß konfrontiert ist, den
Kopfschmerz zu eliminieren. Nun geben wir ein Mittel, das auch bei einem Gesunden Kopfschmerz
erzeugen würde. So wird dann die Natur angestoßen, ihre natürliche Abwehr erfolgreicher
fortzuführen. Es wird zu einer Verstärkung der Kopfschmerzen kommen («Erstverschlimmerung»)
und dann zu ihrer Heilung. Daß die AMP aber - ohne Umschweife gesagt - Nonsens ist, geht daraus
hervor, daß die Symptome, die uns ein Kranker bietet, vorerst einmal ganz unspezifisch sind und
eine ärztliche Behandlung nicht an den Symptomen, sondern kausal - am Grundübel, an der Ursache
anzusetzen hat. Beispiel: Hypertonie. Selbst wenn wir den Kopfschmerz durch Gaben eines
Kopfschmerzmittels beseitigen, so beseitigen wir nicht das Grundübel, und der Kopfschmerz wird
wiederkommen. Daß es hier sinnvoll ist, die Hypertonie anzugehen, ist einleuchtend und sinnvoller
als ein homöopathisches Mittel zu geben, das beim Gesunden Kopfschmerz erzeugt (falls es ein
solches Mittel überhaupt gibt, das monospezifisch diese Wirkung hat). Doch könnte der
Kopfschmerz bei bestehender Hypertonie nicht auch andere Ursachen haben ? Etwa die Menopause,
ein Hirntumor oder eine syphilitische Erkrankung ? Was soll dann ein Mittel, das bei der AMP an
einem jungen Mann noch dazu angeblich Kopfschmerz erzeugte ? . usw. usw. Man schlage nur
irgend ein Lehrbuch der Inneren Medizin oder der Kinderheilkunde oder Neurologie auf und prüfe
diese 2. Hauptthese der Homöpathie auf Gültigkeit.

3. Die Dosierungslehre

In seiner Propädeutik widmet RITTER auch dieser Grundlehre der Homöopathie sein Augenmerk
und behandelt sie vorsichtiger, als je ein Homöopath sie behandelt hat. Dafür wird er so gut wie
sicher auch im eigenen Lager Schelte bekommen, denn die letzte These bricht damit zusammen.
Bekanntlich gibt es in der Homöopathie zwei Glaubensrichtungen
a) Die Hochpotenzler und
b) Die Nieederpotenzler
Angenommen ein Mittel wie Pulsatilla ( Küchenschelle) habe angeblich einen bestimmten Effekt
und sei wegen einer bestimmten Symptomatik angezeigt. Dann geben die einen das Mittel in einer
Hochpotenz, sagen wir DI2, was bedeutet, daß hier eine veritable Verdünnung von
1 : 1000 000 000 000 vorliegt, wogegen andere D4 geben, was bedeutet 1 : 10 000. Mit anderen
Worten, hier liegen Dosierungsunterschiede von 1 : 100 Millionen vor. Die gesamte Pharmakologie
kennt keinen Stoff der bei einem Dosierungsunterschied von dieser Größenordnung eine
gleichartige Wirkung entfalten würde. Doch die Unterschiede in der Verdünnung sind oft noch
grotesker. Selbst ein Medizinstudent im ersten Semester wird, mit dieser Sachlage konfrontiert, eine
Medizin solcher Art als Zumutung zurückweisen. Doch, so muß man sagen, wer es nicht glaubt,
möge sich die Mühe machen, drei willkürlich gewählte homöopathische Bücher miteinander zu
vergleichen.





Die Homöopathen sagen nun, es würde ja - gerade durch die Verdünnung und durch den Grad der
Verdünnung - eine bestimmte Wirkung des homöopathischen Arzneimittels hergestellt, das dann
auch «in der richtigen Phase» gegeben - auch richtig wirke! Doch für solche «Phasen» gibt es nur
schlechte und unbrauchbare Reißbrett- deduktionen, die durch nichts begründet sind. Sowohl die
ARNDT-SCHULZ'sche Regel: « Kleine Reize regen die Lebenstätigkeit an, größere hemmen sie
und stärkste heben sie auf» als auch andere Regeln wie etwa die WILDERSche Ausgangswertregel
sind hier nicht zutreffend, denn die ARNDT- SCHULZ'sche Regel von der «Wirkungsumkehr» gilt
nur in sehr beschränktem Ausmaß innerhalb einer sehr geringen Schwankungsbreite der Dosierung
und nur für ganz wenige Stoffe, und der für die Anwendung der WILDERschen Regel vorhandene
nötige Ausgangswert ist, falls überhaupt ein resorbiertes homöopathisches Medikament innerhalb
eines Schwellenwertes vorliegt, unbekannt. Auch gibt es keine «Ausgangswerte» für Stoffe wie
Carbo oder Graphites (homöopathische Medikamente) usw. usw. Der ewige Streit um die
Dosierung ficht den Homöopathen LEESER (1954), der Direktor des Robert - Bosch -
Krankenhauses in Stuttgart war, überhaupt nicht an, und nachdem er mühsam eine Art Ehrenrettung
für die Dosisunterschiede und die ARNDT-SCHULZ'sche Regel versucht, gibt er der Homöopathie
mit Einführung der Begriffe Affinität, Abgestimmtheit und Resonanz der Ähnlichkeitsregel im
Zusammenhang mit der leidigen Dosisfrage einen neuen Sinn: «Die Meßbarkeit solcher Faktoren,
wie Menge und Zeit, verleitet allzu leicht zur Bildung von « an», die den unberechtigten Anspruch
machen, der Homöopathie eine zulängliche Grundlage zu geben. Mit quantitativen Aussagen
allgemeiner Art läßt sich ein Wechselverhältnis wie das zwischen Organismus und Arzneistoff aber
nicht erschöpfend fassen. Die qualitative Beziehung (Affinität, Abgestimmtheit, Resonanz) dagegen
ist eine übergeordnete Voraussetzung der Arzneiwirkung. Deshalb wird ein allgemeiner Satz, der
die Auffindung dieser Beziehung regelt, mit Recht als Ähnlichkeitsregel bezeichnet und bleibt als
Anweisung, die Arzneimittelwirkungen an die Lebensvorgänge beim Kranken anzupassen, der
beherrschende Mittelpunkt der homöopathischen Methode.» In dieser Äußerung eines der bekanntesten Homöopathen unseres Jahrhunderts sehen wir eine eindeutige Absage an die
naturwissenschaftliche Medizin, die auf Metrik aufgebaut ist, auf Kausaldenken beruht und nicht
auf einem unbegründeten intuitiven Einschätzen von Lebensvorgängen. In der Praxis sieht es dann
halt so aus:
Wir zitieren aus REHM 1965:
«Ich hatte zwei Frauen mit blutenden Brustwarzen zu behandeln. Die erste Frau blieb eines Tages
weg. Der nach mir zugezogene Arzt wollte keine Verantwortung eingehen und schickte sie zum
Chirurgen, der beide Brüste amputierte. Die andere Frau blieb in meiner Behandlung und wurde
vollständig geheilt. Sie erhielt Acidum nitricum wegen gleichzeitiger Risse in den Mundwinkeln,
was auf die blutenden Warzen wohl keinen Einfluß hatte. Dann bekam sie Hamamelis,
Lycopodium, Mercur, Sepia und Sulfur, meistens zwei bis drei Wochen lang jedes Mittel, Welches
gewirkt hat, kann ich nicht sagen. Vielleicht alle sechs vielleicht nur eines.» «Daß sie gewirkt
haben, ist die Hauptsache.» «Die Hauptmittel bei blutenden Brustwarzen sind übrigens Bryonia,
Hamamelis, Lycopodium, Mercur, Sepia, Sulfur.» Sonderbar - sonderbar. Bärlappsamen,
Quecksilber und Schwefel haben eine ähnliche Wirkung ?
Wie wäre das Bild geworden, hätte die Frau nichts genommen.
Wie wäre es geworden, wäre sie zum Magnetopathen gegangen.
Wie wäre es geworden, hätte sie sich akupunktieren lassen ?
Wie wäre es geworden, hätte ein Exorzist mitgewirkt ?
Wie wäre es geworden, hätte sie sich nur Weißkäse aufgelegt ?
Wie hätte ein Hypnotiseur gewirkt ?
Hätte eine «Beseitigung von Erdstrahlen» es auch getan. Oder eine Scheidung ? Eine Beichte ?
Eine Fahrt nach Lourdes ? Und hier sind wir am richtigen Punkt wieder einmal angelangt: Am Erfolg!Über die Frage der «Erfolge» haben wir an anderer Stelle schon eine Menge geschrieben.
Daß es kein «Heilverfahren» gibt, das nicht über Erfolge zu berichten weiß, ist bekannt, und welche
Rolle das Zeremoniell einer Heilbehandlung und auch der Heiler dabei spielt, ist vielfach analysiert
worden.

Um das zu demonstrieren, zeigen wir eine Tabelle, die aus dem von BYHAN und WOLF (1974)
veröffentlichten Buch zusammengestellt worden ist. Das Buch ist, wenn auch ungewollt, in seiner
Art verdienstvoll. Und es bedrückt gleichzeitig, wenn man bedenkt, mit welchen finanziellen
Opfern die Regierungen Universitäten unterhalten, die in jahrelangem Unterricht den Studenten
medizinisches Wissen vermitteln mit der Endkonsequenz, daß sich dann die kranken Bürger nicht
selten aus Unkenntnis, aus Verzweiflung oder aus Bequemlichkeit im Krankheitsfall an Laien
wenden, die oft nicht mehr bieten als PAULLINI (17145 neu aufgelegt 1847), der z.B. Taubenkot,
Schwalbenkot, Pfauenkot und Ziegenkot
zur Behandlung von Kopfschmerzen empfahl und eine
lange Reihe von Erfolgsberichten seiner Therapie bekanntgibt (vgl. Abb.6). Was aber noch weit
bedrückender ist, ist die Tatsache, daß die auf der Basis der modernen Pharmakologie arbeitende
Medizin der Hochschulen, die reproduktionsfähiges Wissen vermitteln, das in den Staatsexaminis
geprüft wird, den Feind in den eigenen Reihen hat. So erklärte der Medizinhistoriker
SCHADEWALDT entgegen der geschlossenen wissenschaftlich fundierten Lehrmeinung der auf
diesem Sektorberufenen Pharmakologen:
«Ich hoffe, daß der Tag nicht mehr allzufern sein möge, an dem wieder einmal, wie schon in der
Vergangenheit in München, Wien, Budapest, Tübingen oder Berlin, auch Vertreter der
Homöopathie an den deutschen Hochschulen lehren.»

Daß derlei romantische Wunschvorstellungen unüberbrückbar weit von der Realität entfernt sind,
zeigt ein Blick auf das neueste Zustandsbild der «Forschung». Eine Abhandlung mit dem
vielversprechenden Titel «Beweisbare Homöopathie» haben wir mit großer Neugierde
aufgenommen, meinten wir doch in hoffnungslos- naivem Optimismus, jetzt nach mehr als 150 Jahren nach der «Entdeckung» Hahnemanns endlich vielleicht doch noch einen
naturwissenschaftlich sauberen Beweis zu erhalten, zumal der Herausgeber (GEBHARDT) in der
Gemeinde der Homöopathiegläubigen derzeit eine führende Rolle zu spielen scheint. Leider wurden
wir enttäuscht, denn die «Beweisführungen» leiden an den alten, sattsam bekannten Mängeln: Es
werden nur Einzelfälle geschildert, was bekanntlich nur das «post hoc» und nicht das «propter hoc»
beweist - solche « Referate» pflegen heutzutage nicht einmal mehr zum Kongreßvortrag zugelassen
zu werden. Tier- «Versuche» mit Schwein und Lumbricus terrestris (Regenwurm) wollen wir nur
der Heiterkeit wegen erwähnen, die sie beim wissenschaftlichen Fachmann zwangsläufig erregen,
denn weder sind die Bedingungen des doppelten Blindversuchs eingehalten noch sind diese
«Experimente» auf den Menschen übertragbar. Und selbst beim Tier: Caulophyllum D30 (!) gegen
Wehenschwäche des Hausschweines ? Ob SEMMELWEIS und Robert Koch, in deren Rolle sich
die Homöopathen gerne fühlen, ihren Versuchstieren solche Beschwernisse zugemutet hätten ? Es
ist immer dasselbe:





Wenn Paramediziner von «Wissenschaft» reden, meinen sie in Wahrheit ihren
eigenen Aberglauben.






















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