FH Coburg, Wintersemester 1997/98

Para-Wissenschaft: Heutiger Aberglaube
Grundstudium, Kurs R 5-1, Mi. 15.15H
Multimediale Vorlesung, Dozent Klaus Eck
Prüfungsstoff
Der Stoff dieser Veranstaltung

Übersicht und Formen des Aberglaubens:

Spezielle Abschnitte:

Okkultismus
Spiritismus
Esoterik
Magie

New Age
Reinkarnationslehre
Satanismus
Hexenwesen
1. Allgemein, Einführung

Bedeutung des Wortes "Aberglauben"

Aber-Glauben ist eine Einstellung, die sich gegen den herkömmlichen Glauben richtet (oder mit ihm konkurriert...) - Menschliche Überheblichkeit ersetzt "Gott" - Angst vor Mächten Im "wissenschaftlichen" Bereich ist Aberglaube das Thema, wenn damit auf Kräfte verwiesen wird, die naturgesetzlich ungeklärt sind und auch nicht in der Lehre einer Religion begründet werden. Glauben wird zum Aberglauben, wenn man an Kräfte glaubt, die naturgesetzlich ungeklärt und nicht in Lehre einer Religion begründet sind.
Formen des Aberglaubens:

a. Volksglauben: Tradierung uralter Bräuche
Zauberei aktiv, Zaubermittel (Talisman) oder passive (Hufeisen)
b. Kunstaberglaube
Beschwörungszauber (Lärm,- Poltergeister)
c. Aberglaube Volksaberglaube (Schwarze Katze, Zahl 13)

In der Tradition gab es keinen definierten Aberglauben (Wissenschaft + Religion - Glauben/Aberglauben) Heidnische Kulte, Naturreligion / Heute als Restbestände = Abergläubische Elemente aus "magischer Umwelt" - Zauberkräfte

Gründe für Provokation gegen Glauben:
- Mangel an Selbstbewußtsein
- an Macht des Bösen - Opposition
- Suche nach Ordnung, Sinn
- dualistische Muster
- Gegen-Katholizismus Gut-Böse, Gott + Teufel

Spezieller Teil: Systematik

a) Wichtige Namen:

Cornelius Agrippa: Aufklärer De occulta philosophia Emanuel Swedenborg: "Newton d. Aberglaubens", Grundlagen des modernen Okkultismus Andrew Davis: erste "Seher" mit einer Theorie des Verkehrs Geist-Mensch: philosopha of spiritual intercourse


b) Wichtige Begriffe:
- Okkultismus (Okkultismus Lehre von verborgenen Dingen )
(Okkultus = verborgen) Seit 19.Jahrhundert Sammelbegriff für Praktiken, die sich mit unnormalen Erscheinungen befassen. Heute weniger Erforschung der Phänomene, mehr Weltanschauung. Okkultismus befaßt sich mit Welterklärungen von Phänomenen wie Hellsehen, Telepathie, Präkognition, Dematerialisation. Einstellung weltanschaulicher Natur, die ursprünglich nur wenigen Eingeweihten mit Praktiken oder Lehren offenstand. Heute öffentlich. Gilt für unnormale Erscheinungen, die nicht mit naturwissenschaftlichen Erklärungssätzen verstanden werden. Der Okkultismus formuliert Vorgänge, die aus Natur oder menschlicher Psyche von "offiziellen Wissenschaften" nicht verstanden oder nicht anerkannt werden. Okkulter Weg beginnt mit Agrippa v. Nettesheim 1511. Heute beinhaltet der Begriff auch neuplatonische und kabbalistische Lehren. Aussage: es gibt Klassen von Geistern, der Mensch geht einen gestuften Erlösungsweg. Wandel aus ursprünglicher "Erforschung der Phänomene" zu einer Weltanschauung religiöser Natur. (Zu unterscheiden ist davon die Para-Psychologie). Heute kann Okkultismus im Sinne einer Welterklärung (Lebensbewältigung mit erstaunlichen Phänomenen) - Hellsehen - Präkognition -Parakinese -Dematerialisation Medium: Personen mit guter Kontaktfähigkeit zu Geistern Begriff von C. Kiesewetter 1891 formuliert.

Okkulte Phänomene:
Medien-Phänomene - an ein Medium gebunden sind.
z.B. Wunderheiler sind Personen, die mit Gedankenkraft Materie verändern Kristallsehen, Handlinien lesen, Horoskopdeutung Jenseitskontakte in Form der Spiritisten oder als technische Variante:
Kassettenrekorder, Videoaufnahmen, mit dem PC
Erlebnis-Phänomene - in Gruppen erlebt werden z.B: spiritisctische Sitzungen als Gruppenerlebnis bei
Gläserrücken.
Kultische Handlungen - Riten mit Initiationscharakter z.B. magische "Messen" oder Zeremonien

Spiritismus

Weltanschauung von
a) diesseitiger materieller Welt, grobstofflich, Lebenswelt
b) jenseitiger Geisterwelt, feinstofflich

(Spiritus = Geist) Weltanschauung von diesseitige grobstofflichen (materielle) Welt und jenseitige feinstoffliche geistige Welt. Annahme des Spiritismus: Der Mensch hat mit seelisch geistigem Teil Kontakt zum Jenseits. Der Mensch wird im Tod in die Geisterwelt aufgenommen. Er lebt mit seinem geistigen Teil (Person, Seele, Astralleib) in der jenseitigen Welt weiter. Kontakt mit den jenseitig lebenden Menschen ist über "Medien" möglich. Weltanschauung mit Glaube an Geister unterscheidet materielle/grobstoffliche dieseitige Welt von einer größeren feinstofflichen geistigen Jenseitswelt = Geisterwelt. Mensch überlebt Tod mit seelisch-geistigem Teil. Wechselwirkung zwischen geistiger und materieller Welt über Medien (Menschen, Pendel, Kristallkugel / Praktien: Rituale, Beschwörung, erstaunlichwe Phänomene durch Eingreifen der Geisterwelt in unsere Welt). Im spiritistischem Konzept ist die Jenseitswelt in Stufen gedacht. Wechselwirkung mit Geistwelt über Medien (Kristallkugel) oder magische Praktiken. Diese Vorstellung dient als Erklärungshilfe für Phänomene außerhalb der uns bekannten Gesetzmäßigkeiten. Verantwortlich ist das Eingreifen der Geisterwelt.

Magie

(Magoi =Priester/Zauberei) Religiöses Glaubenssystem mit übernatürlichen Kräften und Inanspruchnahme mit Beeinflussung bestimmter Zweck. Arbeitet mit Kult und Ritual. Fülle von Erscheinungen durch (angebliche) Inanspruchnahme übernatürlicher Kräfte / Mächte. Es ist zu unterscheiden zwischen:
profanen = Varietéunterhaltung
und religiösem Glaubenssystsem
Magie ist rituelle Technik um Mächte dienstbar zu machen und verfolgt bestimmte Zwecke (meist mit Symbolen)

Esoterik

(Esos = Das Innere) Vielzahl von Weisheiten / Techniken, die nur einem geweihtem Kreis von Menschen zugänglich sind. Arkandisziplin.
Man versteht unter Esotriik eigentlich Kenntnisse, die nur einem geschlossenen Kreis von Personen zugänglich sind. Kenntnisse von Eingeweihten werden geheimgehalten (Arkandisziplin). Zugang nur über Initiationsriten und Weihestufen möglich. Diese halten Kenntnisse geheim und sind Uneingeweihten zum Schweigen verpflichtet. Mittelalterliche Klostermauern oder Bibliotheken waren auch verschlossene Bereiche des Wissens (vgl. den Film "Der Name der Rose"). Später stellt Esoterik eine Lebenshaltung dar. Esoteriker behaupten Zusammenhang zwischen Makro- und Mikrokosmos, eine Polarität, die Existenz einer nutzbaren kosmischen Kraft. Das esoterische Weltbild ist eine Einheitsschau = Teil eines kosmischen Ganzen. Als Folge hat der Mensch einen astral-kosmischen Leib, der den körperlichen Tod überdauert. Dieser "Leib" sucht sicht immer neue Inkarnationen und durchläuft Metamorphosen bis zu seiner Einheit mit dem Göttlichen. "Öffentliche" Geheimhaltung verkehrt den Sinn der Esoterik ins Gegenteil, daher sind esoterische Buchandlungen vergleichbar einem schwarzen Schwan... Missionierung und Umdenken - Neues Zeitalter (New Age) Im religiösen Sinne: Inanspruchnahme übernatürlicher Kräfte/Mächte auf Personen zu Beeinflussung -"magus" Dienstbarmachung der Mächte zum Verfolgen bestimmter Zwecke, Priester vollzieht eigenen Mysterienkult, stets mit Symbolen (viele Religionen haben magischen Charakter).

New Age

Sammelbezeichnung für viele Gruppen / Initiativen mit asiatischer Religiösität. Die ideengeschichtlichen Quellen sind u. a. : asiatisch, schamanisch, humanistische Psychologie, Quantenphysik und Feminismus. New Age ist Sammelbecken für alle esoterischen Lehren. Esoteriker grenzen sich vom New Age ab. Okkultismus ist praktischer Teil der Esoterik - neues Denken. New Age = Sammelbezeichnung für Denken bis Initiativen mit Grundannahme: heutige Krisensymptome sind Geburtswehen für die Wendezeit (F. Capra)

Reinkarnationslehre

(Re-Incarnare = wieder ins Fleisch)
Weiterleben nach dem Tode als Transzendenz des ersten Lebens. Tod als Trennung von Leib und Seele wie in der Platonischen Philosphie: Der Mensch ist materieller Leib und unsterbliche Seele in einem. Am deutlichsten von Descartes ausgesprochen (res extensa vs. res cogitans). Im heutigen Okkultismus des Reinkarnationsglaubens herrscht Leib-Seele-Vorstellung in Form von "Astralleib" oder "Fluidalkörper" vor. Grundgedanke der Reinkarnationslehre:
- Im Menschen schlummert Göttliches
- Das Göttliche muß sich entwickeln
- Raum-Zeitliche Begrenzung eines Menschenlebens erfordert Wanderung. Dabei braucht das Göttliche
neue "Hüllen" bis es ins Unendliche wächst.
- Entwicklungslinien sind in zwei Richtungen möglich: vorwärts-rückwärts. Dies ist das Gesetz des
"Karma" = Tat und Tatfolge bestimmen die Richtung
- Reinkarnation als Hoffnung auf Einheit mit dem Göttlichen. Der Mensch als Übergangswesen zwischen
Urgrund und Gottheit.

einige Fälle mit Bezug auf heutige Realität:
- Steiners Lehre der Anthroposophie ( in Waldorfschulen),
- Reinkarnationsforschung v. Stevenson,
- Reinkarnationstheraphie v. Dethlefsen











Satanismus

Teufelsglaube: Beweis soll die Bibel sein. Er wird rituell in Praktiken genutzt. Teufelsaustreiber mit Gebet und Weihwasser zu Anti-Magie. Teufelsanhänger glauben an höhere Welteinsicht und magische Einflußmöglichkeiten. Ansatz ist ein Bezug auf Denken und Handeln des Teufels z. B. 12% aller Schüler haben angeblich Kontakt mit Satanismus Heute sind Hauptformen: - ritueller Satanismus = organisiert in ordensähnlichen Gemeinschaften vagabundierender / spontaner Satanismus = meist in Jugendgruppen Neosatanistische Realität Sexualmagie kultureller Satanismus = Kunst, Musik, Literatur, Filmszene. Satanismus als okkulter Phänomenbereich mit Zusammenfluß medialer, erlebnismäßiger und kultischer Art. Er wird von den Massenmedien hochgespielt und nimmt an "Verteilungskämpfen" auf dem Okkultmarkt gegen die Kirche teil. In der Kunst und Musik war Satanismus als Werbung eingesetzt (Rockgruppen von den Stones oder Led Zeppelin bis hin zu Black Sabbath). Von Seiten der Kirche wollen Streitparteien die Verteufler ruhigstellen (Austreiben mit Gebet und Weihwasser - selten magische Züge). Geschichte:

17. Jh. genaue Angaben erst ab 1679 = Satansmessen am Hofe König Ludwigs XIV
19. Jh. Neue Form als Satans-Litaneien = Teufel als Tröster und Helfer
20. Jh.: Satanismus als eigenständige Religion.
Initiiert von Aleister Crowley (1875-1947): neugnostische Lehre = geistige Erkenntnis - Erlösung aus materielle Welt in geistigen Kosmos Göttliches umgedeutet in biologschen Lebensdrang.
20. Jh. Religion aus gnostischen und Satanischen Elementen: als geistige Erkenntnis initiiert von Aleister Crokwley (666. the Beast)
Teufel als Symbol und Ausdrucksmittel. Heute weniger Magie oder Einflußnahme als Sehnsucht nach "Unerklärlichem": Suche nach Selbst entspricht der Zeitstimmung zur Feeling-Kultur. Crowley-Parole -
get the feeling - Betonung des menschlichen Willens!

Hexenwesen

Ein okkulter Phänomenbereich beherbergt das Hexenwesen und den Teufelskult als mediale "kultische Elemente". Rituell begründeter Teufels-"Glaube". Moderne Teufelsanhänger beziehen alles Handeln auf
Satan. Ausdrucksform in:
- Gruftie´s
- Kultmessen
- Satansmusik
- Occult - Rockszene

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